
Zwei Behörden, klare Trennlinie
Vor zwei Jahren hat mich ein Leser gefragt, ob die ESBK auch für Boxwetten zuständig sei — schliesslich tauche der Name doch immer wieder im Spielsperren-Kontext auf. Die Frage ist gar nicht so naiv, wie sie klingt. Tatsächlich verwechseln sehr viele Leute die beiden Aufsichtsbehörden, weil sie sich aus Sicht eines Endkunden funktional ähnlich anhören. Beide kümmern sich um Geldspiel, beide arbeiten mit Sperrlisten, beide haben mit Spielerschutz zu tun. Und doch sind sie strikt getrennt — und genau diese Trennung ist entscheidend, wenn man verstehen will, wer im Streitfall der richtige Ansprechpartner ist.
Die Eidgenössische Spielbankenkommission ESBK ist die Bundesbehörde für Spielbankenspiele. Die Interkantonale Geldspielaufsicht Gespa ist die interkantonal getragene Aufsicht für Grossspiele — also Lotterien, Sportwetten und Geschicklichkeitsspiele. Beide haben ihre Existenzberechtigung aus dem Bundesgesetz über Geldspiele, das 2019 in Kraft trat. Aber sie haben unterschiedliche Anker im Schweizer Föderalismus. Die ESBK ist Bund, die Gespa ist Konkordatsorgan der Kantone. Wer mit Boxwetten zu tun hat, hat es in 99 Prozent der Fälle mit der Gespa zu tun. Die ESBK kommt nur indirekt ins Spiel, vor allem über die Spielsperren-Datenbank und die gemeinsame Sperrliste.
Diese Trennung ist keine Spitzfindigkeit. Sie hat ganz praktische Konsequenzen: Wer eine Beschwerde bei Sporttip einreicht und keine zufriedenstellende Antwort bekommt, wendet sich an die Gespa. Wer ein Problem mit einem Schweizer Online-Casino hat, wendet sich an die ESBK. Wer das verwechselt, verliert Zeit und muss seine Eingabe ein zweites Mal an die richtige Stelle schicken.
ESBK: Spielbanken und ihre Online-Ableger
Eine kurze Anekdote zum Einstieg: Als ich 2019 zum ersten Mal versucht habe, das Verhältnis von ESBK und Gespa für einen Vortrag sauber aufzuzeichnen, hat es mich drei Stunden gekostet. Nicht weil das Material kompliziert wäre, sondern weil viele Quellen die beiden Behörden in einem Atemzug nennen, ohne ihre tatsächlichen Aufgaben sauber zu trennen. Heute zeichne ich das gleiche Diagramm in zehn Minuten — und die Klarheit beginnt mit der ESBK.
Die Eidgenössische Spielbankenkommission ist die für Spielbankenspiele zuständige Bundesbehörde. Sie wurde 2000 gegründet, als das erste Spielbankengesetz in Kraft trat, und ist seit 2019 unter dem BGS Teil einer erweiterten Aufsichtsarchitektur. Ihre Kernaufgaben sind die Erteilung und Überwachung der Konzessionen für die 21 Schweizer Spielbanken, die Kontrolle der landbasierten Casinos und die Aufsicht über die mittlerweile zwölf konzessionierten Online-Casinos, die seit 2019 in der Schweiz lizenziert werden konnten.
Im Spielbankenbereich liegt der Fokus der ESBK auf Slots, Roulette, Blackjack, Poker und ähnlichen klassischen Spielbankenspielen. Sportwetten gehören explizit nicht zu ihrem Zuständigkeitsbereich — auch dann nicht, wenn ein Online-Casino in seinem Angebot Wett-ähnliche Spiele wie virtuelle Sportwetten oder eSports-Casino-Produkte hat. Sobald es um echte Sportwetten geht, übernimmt die Gespa.
Die ESBK pflegt die nationale Spielsperren-Datenbank, in der sowohl die von der ESBK selbst angeordneten als auch die von Spielbanken oder von Spielenden selbst beantragten Sperren zusammengeführt werden. 2024 wurden in der Schweiz 18’216 neue Spielsperren registriert — ein Anstieg von 23 Prozent gegenüber den 14’787 Sperren des Vorjahres. Diese Datenbank ist über das ganze Geldspielregime hinweg gültig: Wer in einem Schweizer Casino gesperrt ist, ist es auch bei Sporttip und Jouez Sport. Diese Universalität ist eine der wichtigsten praktischen Auswirkungen der ESBK auf den Boxwetten-Markt.
Der zweite Berührungspunkt mit Boxwetten ist die gemeinsame Sperrliste mit der Gespa. Im August 2025 erreichte die kombinierte Liste 2’597 gesperrte Domains — die Mehrheit davon mit klarem Sportwetten-Bezug. Die ESBK trägt zu dieser Liste vor allem dann bei, wenn ein Anbieter Casino- und Sportwetten-Funktionen kombiniert, was bei vielen ausländischen Anbietern der Fall ist.
GESPA: Lotterien, Sportwetten, Geschicklichkeitsspiele
Die Gespa ist die Behörde, der man als Boxwettender im Schweizer Markt tatsächlich begegnet. Wenn etwas an einem Sporttip-Bonus regulatorisch fragwürdig wirkt, ist sie zuständig. Wenn ein neuer Wettmarkt — etwa eine spezifische Method-of-Victory-Variante — eingeführt werden soll, läuft die Genehmigung über sie. Wenn eine illegale Werbung in einer Schweizer Sportzeitschrift erscheint, ermittelt sie. Sie ist, in der Schweizer Boxwetten-Welt, die regulatorische Konstante.
Gegründet wurde die Gespa als interkantonales Konkordatsorgan der Kantone, weil die Lotteriehoheit historisch bei den Kantonen liegt — und Sportwetten rechtlich zu den Grossspielen im Lotteriebereich gezählt werden. Das Konkordat umfasst alle 26 Kantone und stützt sich auf das BGS sowie eine Interkantonale Vereinbarung. Die Gespa hat ihren Sitz in Bern und wird von Direktor Manuel Richard geführt. Sie ist seit 2021 in dieser Form aktiv — entstanden aus der Comlot, die unter dem alten Lotteriegesetz die gleiche Funktion innehatte.
Ihre Hauptaufgaben sind die Konzessionierung und Aufsicht der beiden legalen Sportwetten-Anbieter — Swisslos für die Deutschschweiz und das Tessin, Loterie Romande für die Westschweiz — sowie die Bekämpfung illegaler ausländischer Anbieter. Sie genehmigt jedes neue Spielreglement und jeden neuen Wettmarkt, sie prüft die Bonusbedingungen auf Konformität mit dem Geldspielgesetz, und sie überwacht die Einhaltung der Spielerschutz-Vorgaben in beiden Plattformen.
Zur Grössenordnung der von der Gespa beaufsichtigten Sportwetten-Aktivität: 2024 lag der Bruttospielertrag aus Grossspielen bei 1,25 Milliarden Franken — ein Wachstum von 7,9 Prozent gegenüber 2023. Davon entfielen auf die Schweizer Sportwetten der beiden Lotteriegesellschaften 122 Millionen Franken Reingewinn, die in den Sportförderungstopf flossen. Diese Zahlen sind die Grundlage der Gespa-Arbeit: Sie zeigen den Umfang des regulierten Marktes und damit gleichzeitig das Volumen, das nicht über Sperrliste abgewandert ist.
Die Gespa publiziert jährlich einen Auswertungsbericht, der die Marktentwicklung, die regulatorischen Schwerpunkte und die Schutzthemen darstellt. Im Bericht 2024 schrieb das Sekretariat der Gespa: „Die Problemlast bei den Sportwetten online und landbasiert liegt höher als bei den anderen Produkten im Aufsichtsperimeter der Gespa.“ Diese Feststellung hat unmittelbare regulatorische Folgen — etwa in Form von verstärkten Schutzauflagen für Sporttip und Jouez Sport.
Wo die beiden Behörden zusammenarbeiten: gemeinsame Sperrlisten
Die formale Trennung zwischen ESBK und Gespa ist eine Sache, die operative Zusammenarbeit eine andere. In den letzten drei Jahren hat sich der Trend verfestigt, dass beide Behörden ihre Sperrlisten zusammenführen und gemeinsam pflegen. Das hat praktische Gründe: Viele illegale Anbieter bieten gleichzeitig Casino-Spiele und Sportwetten an, was eine getrennte Bearbeitung unsinnig macht.
Die gemeinsame Sperrliste umfasst heute alle Domains, die unter einer der beiden Behörden ein laufendes Sperrverfahren durchlaufen haben und rechtskräftig blockiert wurden. Die technische Umsetzung — DNS-Sperren bei den Schweizer Internetprovidern — ist für beide Behörden identisch. Wer als Internetnutzer auf eine Stoppseite umgeleitet wird, sieht in der Regel nicht, welche der beiden Behörden den ursprünglichen Sperrentscheid gefällt hat.
Die Zusammenarbeit geht aber über die Sperrliste hinaus. Beide Behörden tauschen Daten zur Spielsperren-Datenbank aus, koordinieren ihre Kommunikation gegenüber illegalen Anbietern und stimmen ihre Stellungnahmen an den Bundesrat ab. Bei grösseren juristischen Fragen, etwa zur Auslegung des BGS in einem konkreten Verfahren, sprechen sich die beiden Behörden inhaltlich ab, ohne dass es zu offenen Widersprüchen kommt.
Was das für die Wettenden bedeutet: Die Trennung der Zuständigkeit verschwindet in der Praxis dort, wo es um illegale Anbieter geht. Wer auf einer Sperrliste landet, bleibt drauf — egal, ob die ESBK oder die Gespa den ersten Entscheid gefällt hat. Und wer auf der Spielsperren-Liste steht, kann weder ein Schweizer Online-Casino noch ein Sporttip-Konto betreiben.
Die saubere Anbieterwahl wird damit zur Routine, die nicht von Behördennamen, sondern von einer kurzen Checkliste geleitet werden sollte. Wer sich vor der Eröffnung eines Wettkontos absichern möchte, findet eine systematische Vorgehensweise in der Anleitung zur Checkliste vor der Registrierung beim Schweizer Wettanbieter . Sechs Punkte, die in 15 Minuten geprüft sind.
Artikel
Verfasst vom Team von „boxenwettenb".